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MSCI World vs. FTSE All-World: Welcher ETF passt zu dir?

MSCI World vs. FTSE All-World 2026: Schwellenländer-Anteil, Performance, TER – der ehrliche Vergleich.

09. Mai 2026 ca. 5 Min. Lesezeit von Jonathan Scheele
MSCI World vs. FTSE All-World: Welcher ETF passt zu dir?

Die Frage „MSCI World oder FTSE All-World?” ist die meistgestellte Frage unter ETF-Einsteigern in Deutschland. Beide sind hervorragende Produkte – aber sie unterscheiden sich in einem entscheidenden Punkt: Schwellenländer.

Indexkonstruktion: 1.400 vs. 3.700 Aktien

Der MSCI World umfasst rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wichtig: Der Name ist irreführend – Schwellenländer (Emerging Markets) wie China, Indien oder Brasilien sind nicht enthalten.

Der FTSE All-World enthält rund 3.700 Unternehmen aus über 50 Ländern – Industrie- und Schwellenländer. Er entspricht damit tatsächlich dem globalen Aktienmarkt.

MerkmalMSCI WorldFTSE All-World
Unternehmen~1.400~3.700
Länder23 (nur Industrie)50+ (inkl. EM)
SchwellenländerNein~10–12 %
TER (günstigster)0,12 %0,22 %
Größter ETFiShares MSCI WorldVanguard All-World

Performancevergleich 2014–2024

Über 10 Jahre hat der MSCI World den FTSE All-World leicht übertroffen, da Schwellenländer in diesem Zeitraum schlechter abschnitten. Annualisiert: MSCI World ~9,2 % p.a. vs. FTSE All-World ~8,7 % p.a. (in EUR, ohne Kosten).

Das kann sich aber umkehren: Experten erwarten, dass Indien, Südostasien und andere Emerging Markets in den nächsten 20 Jahren stärker wachsen als Nordamerika.

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TER-Unterschied: Macht 0,02 % einen Unterschied?

Bei 10.000 € Anlagesumme kostet der Unterschied von 0,10 % (MSCI World 0,12 % vs. FTSE All-World 0,22 %) pro Jahr exakt 10 €. Über 30 Jahre und Zinseszins sind das rund 530 € Unterschied – spürbar, aber nicht entscheidend.

Empfehlung nach Anlegertyp

MSCI World wählen, wenn du:

  • Bewusst keine Schwellenländer-Exposure möchtest
  • Etwas günstigere Kosten bevorzugst
  • Ohnehin einen separaten EM-ETF als Beimischung planst

FTSE All-World wählen, wenn du:

  • Ein echtes Ein-ETF-Portfolio willst
  • Globale Diversifikation inkl. Wachstumsmärkte bevorzugst
  • Nicht über Ergänzungen nachdenken möchtest

Tipp: Für 90 % der Anleger ist der Unterschied langfristig vernachlässigbar. Wichtiger als die Wahl zwischen beiden ETFs ist, überhaupt anzufangen.

Welche konkreten ETFs?

  • MSCI World: iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983, TER 0,20 %) oder Amundi MSCI World (LU1781541179, TER 0,12 %)
  • FTSE All-World: Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25, TER 0,22 %) oder Invesco FTSE All-World (IE00B60SX394, TER 0,15 %)

Die USA-Dominanz: Ein verstecktes Klumpenrisiko?

Beide Indizes sind stark durch US-Aktien dominiert:

  • MSCI World: ~70 % USA
  • FTSE All-World: ~60 % USA

Das ist kein Fehler der Indizes – es spiegelt die tatsächliche globale Marktkapitalisierung wider. Die USA machen rund 60–70 % des globalen Aktienmarkts aus, weil dort die größten börsennotierten Unternehmen der Welt sitzen (Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Google).

Bedeutet das ein Klumpenrisiko? Theoretisch ja – wenn die US-Wirtschaft deutlich schlechter abschneidet als der Rest der Welt, würde ein reiner MSCI World stärker leiden. Praktisch sind US-Unternehmen wie Apple und Microsoft global tätig – sie sind keine rein amerikanischen Unternehmen.

Wer die USA-Gewichtung reduzieren möchte, kann einen MSCI Europe oder MSCI World ex USA als Ergänzung beimischen.

Wie unterscheiden sich die Indizes bei einem Marktcrash?

Historische Daten aus früheren Krisen zeigen:

Finanzkrise 2008–2009:

  • MSCI World: Rückgang ~55 %
  • MSCI Emerging Markets: Rückgang ~65 %
  • FTSE All-World (rekonstruiert): Rückgang ~57 %

Corona-Crash 2020:

  • MSCI World: Rückgang ~33 %
  • MSCI Emerging Markets: Rückgang ~32 %
  • Beide erholen sich innerhalb von 12 Monaten vollständig

Der FTSE All-World schwankt in Crashs etwas stärker als der MSCI World, da Schwellenländer tendenziell volatiler sind. Der Unterschied ist aber gering.

MSCI World + EM: Das klassische 70/30-Portfolio

Wer den MSCI World um einen MSCI Emerging Markets ETF ergänzt, kann die Gewichtung selbst steuern. Das klassische Verhältnis ist 70 % MSCI World + 30 % MSCI EM (oder 80/20).

Vorteile:

  • Günstigere TER beim MSCI World-Anteil
  • Flexiblere Gewichtung der Emerging Markets
  • Möglichkeit, die EM-Quote im Laufe der Zeit anzupassen

Nachteile:

  • Rebalancing zwischen zwei ETFs nötig
  • Mehr Entscheidungskomplexität
  • Zwei Freistellungsaufträge-Positionen zu verwalten

Vergleich der Endkosten (30 Jahre, 200 €/Monat):

PortfolioKostenEndwert (7 % p.a.)
FTSE All-World (TER 0,22 %)~8.000 €~242.000 €
MSCI World 70 % + EM 30 % (Ø TER 0,18 %)~6.500 €~244.000 €

Der Unterschied ist minimal. Für Einsteiger ist das Ein-ETF-Modell (FTSE All-World) deutlich einfacher.

ESG-Alternativen: MSCI World SRI und FTSE4Good

Wer nachhaltig investieren möchte, hat beide Indizes in ESG-Varianten:

  • MSCI World SRI: Schließt kontroverse Branchen aus, verbleibt mit ~400 Unternehmen
  • iShares MSCI World ESG Screened: Etwas breiter, TER 0,20 %
  • Vanguard ESG Global All Cap: FTSE All-World mit ESG-Filter, TER 0,24 %

Wichtig: ESG-ETFs haben nicht automatisch eine bessere oder schlechtere Performance. In den letzten 10 Jahren lagen sie ähnlich wie die konventionellen Varianten – manchmal darüber, manchmal darunter.

Steuern: Gibt es Unterschiede?

Für deutsche Anleger gibt es beim Vergleich MSCI World vs. FTSE All-World keine steuerlichen Unterschiede:

  • Beide haben die 30 % Teilfreistellung für Aktien-ETFs
  • Vorabpauschale gilt für beide
  • Abgeltungssteuer bei Verkauf gilt für beide

Der TER-Unterschied ist der einzige kostenrelevante Unterschied, der direkt aus dem Indexvergleich entsteht.

Häufige Fragen zum Index-Vergleich

Kann ich von MSCI World auf FTSE All-World wechseln? Ja, aber ein Wechsel ist ein Verkauf mit Steuereffekt. Besser: Wer zukünftig andere Präferenzen hat, investiert neue Sparraten in den gewünschten Index und behält den alten.

Was ist der MSCI ACWI – ähnlich wie FTSE All-World? Ja. Der MSCI ACWI (All Country World Index) ist das MSCI-Äquivalent zum FTSE All-World – inkl. Schwellenländer. Er enthält ~2.900 Unternehmen (weniger als FTSE All-World, aber ähnlich breit aufgestellt).

Gibt es einen „besten” ETF? Nein. Sowohl MSCI World als auch FTSE All-World sind exzellente Produkte. Wichtiger als der Index ist: früh anfangen, regelmäßig besparen, nicht in Crashs verkaufen.

Qualitätsunterschiede bei ETFs desselben Index

Nicht jeder MSCI World ETF ist gleich – auch wenn sie denselben Index nachbilden. Wichtige Unterschiede:

Replikationsmethode:

  • Physisch vollständig: Der ETF kauft alle Aktien im Index. Transparent, kein Kontrahentenrisiko.
  • Physisch optimiert (Sampling): Nur ein repräsentativer Ausschnitt der Aktien wird gekauft. Günstigerer Betrieb, minimal andere Performance.
  • Synthetisch (Swap-basiert): ETF kauft andere Wertpapiere und tauscht die Rendite gegen die Indexrendite. Potenziell günstiger TER, aber Kontrahentenrisiko.

Für Einsteiger empfiehlt sich physische Replikation – volle Transparenz, kein Gegenparteirisiko.

Fondsgröße (AUM): Größere ETFs (AUM > 1 Mrd. €) sind stabiler und haben engere Spreads beim Handel. iShares MSCI World (AUM ~50 Mrd. €) ist deutlich liquider als ein kleiner Nischen-ETF.

Alter des ETF: ETFs unter 2 Jahren haben noch keine bewährte Track Record. Für langfristige Anlagen: mindestens 5 Jahre Fondsalter bevorzugen.

Ländergewichtungen im Detail

Beide Indizes spiegeln die globale Marktkapitalisierung wider – aber mit unterschiedlicher Streuung:

MSCI World – Top 5 Länder:

  1. USA: ~70 %
  2. Japan: ~6 %
  3. UK: ~4 %
  4. Frankreich: ~3,5 %
  5. Kanada: ~3 %

FTSE All-World – Top 5 Länder:

  1. USA: ~60 %
  2. Japan: ~5,5 %
  3. UK: ~3,5 %
  4. China: ~3,5 %
  5. Indien: ~2 %

Der größte Unterschied: China und Indien sind im FTSE All-World nennenswert vertreten, im MSCI World gar nicht.

Was bedeutet das für dich?

  • Wenn du glaubst, dass Schwellenländer in den nächsten 20 Jahren stark wachsen werden (Indien, Vietnam, Mexiko): FTSE All-World
  • Wenn du den etwas niedrigeren TER bevorzugst und EM separat beimischen willst: MSCI World

Währungsrisiko: Warum der US-Dollar-Anteil so wichtig ist

Beide Indizes sind stark auf US-Dollar nominiert. Das hat Implikationen für Euro-Anleger:

Was Währungsrisiko bedeutet: Wenn du 10.000 € in einen MSCI World ETF investierst und der Dollar gegenüber dem Euro um 10 % fällt, verlierst du auf dem US-Anteil (70 %) rund 7 % – auch wenn die US-Aktien in Dollar gleich geblieben sind.

Langfristig kaum relevant: Über 20–30 Jahre gleichen sich Währungsschwankungen größtenteils aus. Kurzfristig (1–3 Jahre) kann das Währungsrisiko aber erheblich sein.

Währungsabgesicherter ETF: Es gibt MSCI World ETFs mit EUR-Hedging (z. B. iShares MSCI World EUR Hedged). Diese schützen vor Dollarschwäche, kosten aber mehr TER (ca. 0,2 % extra) und performen bei Dollarstärke schlechter. Für Langzeitanleger meist nicht empfehlenswert.

MSCI World vs. FTSE All-World: Was Experten wirklich empfehlen

In der Community (Reddit r/Finanzen, Finanzfluss, Gerd Kommer) ist kein klarer Konsens:

Gerd Kommer (Finanzautor): Empfiehlt einen einzigen globalen Aktien-ETF. FTSE All-World oder MSCI ACWI IMI sind seine bevorzugten Optionen – wegen der Schwellenländer-Inklusion.

Finanzfluss (populärstes deutsches Finanz-YouTube): Sieht MSCI World als guten Start für Einsteiger, empfiehlt aber bei komplexeren Portfolios die Ergänzung um EM-ETF.

Andreas Beck (Fondsmanager): Präferiert breiteste Diversifikation – MSCI ACWI IMI mit über 9.000 Aktien.

Was alle gemeinsam haben: Beide Indizes sind gut. Die Entscheidung für einen und dann Durchhalten ist wichtiger als die Wahl selbst.

Depot-Gebühren und ihre Auswirkung auf die ETF-Wahl

Die TER-Differenz zwischen MSCI World (0,12–0,20 %) und FTSE All-World (0,15–0,22 %) ist gering. Aber was ist mit den Broker-Gebühren?

Beim Sparplan: Bei Neobrokern (Trade Republic, Scalable) kostet der Sparplan 0 € – egal welcher ETF. Die TER-Differenz von 0,02 % ist dann der einzige Unterschied.

Beim Einmalkauf: 1 € Ordergebühr bei Trade Republic macht bei 5.000 € Einmalkauf gerade mal 0,02 % Extrakosten. Vernachlässigbar.

Bei Broker-Wechsel: Beim Depotübertrag entstehen keine Gebühren (neuer Broker übernimmt). Kein Steuerereignis.

Fazit zu Kosten: Der TER-Unterschied von 0,10 % zwischen günstigstem MSCI World und FTSE All-World ergibt bei 10.000 € gerade mal 10 €/Jahr. Das ist kein Entscheidungskriterium.

Fazit

Beide Indizes sind exzellente Grundlagen für ein langfristiges Portfolio. Wer die Einfachheit bevorzugt und alles auf eine Karte setzen möchte, ist mit dem FTSE All-World gut bedient. Wer Kosten minimieren will und EM separat beimischen möchte, wählt den MSCI World. Der wichtigste Schritt: Entscheidung treffen und Sparplan starten – heute.

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Jonathan Scheele

Jonathan Scheele

Social-Media-Agentur-Inhaber, Entwickler und Betreiber von stackero.de.